Iaido - Das Training
Einen allgemeinen Ablauf für ein Training kann ich euch nicht geben, da bisher jede
Stunde anders war. Aber ein paar vorgeschriebene Dinge gibt es doch:
Am Anfang der Stunde gibt es eine Aufwärm- und Dehnphase, die meist von Atemübungen
und einer kurzen Meditation beendet wird. Darauf folgen Begrüßung und das
"Abgrüßen" des Schwertes. Damit zeigt man seinen Respekt gegenüber den anderen
und seinem Schwert wobei es egal ist ob man "nur" ein Bokken besitzt oder ein mehrere Tausend
Euro teures Shinken.
Danach folgen Schnitt- Lauf- oder Kataübungen. Die interessanteste Übung die wir
bisher gemacht haben, war eine Haltungsübung: Wir mussten mit einem sandgefüllten
Ballon, den wir auf dem Kopf balancierten, Schnitte und Bewegungen durchführen.
Die Stunde endet mit dem Abgrüßen des Schwertes und einer Verabschiedung.
Das war jetzt nur eine ganz grobe Aufzählung, es ist schwer ein Training zu beschreiben, man
muss einfach mal dabei gewesen sein. Wir sind zum Glück jetzt eine kleine Gruppe, dadurch
sind die Kosten ein wenig besser verteilt und es ist eigentlich immer recht lustig, ich bin zwar
mit Abstand der Jüngste in der Gruppe, aber das ist mir zum Glück egal.
Sicherheit im Training:
Wie ihr euch vorstellen könnt, gibt es im Umgang mit Schwertern, auch wenn sie nicht
geschliffen sind, ein paar Regeln die man beachten muss, wenn man nicht die Gesundheit seiner
Trainingskollegen oder sich selbst gefährden möchte.
Dazu gehört natürlich die Prüfung des Schwertes, vor allem des Mekugi, ein kleiner
Bambusstift, der die Klinge in der Tsukka (dem Griff) sichert. Das passiert IMMER während
der Abgrüßung des Schwertes, da man einen Kontrollblick auf das Mekugi wirft.
Man sollte auch sein Schwert nie in der Mitte des Dôjô oder des Übungsraumes
liegen lassen. Erstens ist es ein Verstoß gegen die Regi (Höflichkeit) wenn man
über ein Schwert drübersteigt und zweitens stellt es auch eine Gefahrenquelle dar, wie
schnell stolpert man und setzt sich dem Risiko einer ernsthaften Verletzung aus.
Und die wichtigste Regel ist: Schneide niemals in Richtung deiner Mitübenden oder der
Zuschauer! Sollte trotz aller Überprüfungen des Schwertes etwas passieren, z.B. der
Horror eines jeden Übenden, ein Klingenbruch, befindet sich niemand in der direkten
Gefahrenzone. Sollte man dennoch aus irgendwelchen Gründen in den Radius eines
Mitübenden kommen, oder muss dem Sensei etwas zeigen, muss man den Schnitt langsam
senken, dadurch ist die Gefahr einer "wegfliegenden" Klinge minimiert.
Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick geben, es gibt so vieles das noch nicht gesagt
wurde, oder das vieler Worte bedürfte es zu erklären. Aber eines ist sicher: Wer einmal
der Faszination des Schwertes erlegen ist, kommt nicht mehr davon los.
Ich möchte euch noch abschließend eine japanische Weisheit auf den Weg geben, die ich
mal gefunden habe:
Der Berg lacht nicht über den Fluss, weil er tief unten ist,
noch spricht der Fluss schlecht über den Berg, weil dieser sich nicht fortbewegen kann.
Jeder hat sein eigenes Wesen und erlangt seine eigene Stellung im Leben.

